Wurzelbehandlung
Wurzelbehandlung
Sie fragen sich, was eine Wurzelbehandlung überhaupt ist? Wenn ein Backenzahn stark von Karies befallen ist, kann es passieren, dass Bakterien in das Innere des Zahnes eindringen können. Dort gibt es bis tief in die Wurzel Hohlräume, die von Bindegewebe, Blutgefäßen und Nerven durchzogen sind. Durch die Bakterien hat sich das Zahninnere, der so genannte “Zahnnerv” entzündet. Das ist oft sehr schmerzhaft. Jetzt kommt der Zahnarzt ins Spiel. Selbst hartgesottene Leute suchen diesen jetzt unverzüglich auf. Auch am Wochenende. Der Zahnarzt führt eine Wurzelkanalbehandlung durch. Er reinigt den Zahn von den Bakterien und erhält ihn damit. Die Behandlung ist sehr aufwändig. Der Zahnarzt bohrt einen Zugang zur Wurzel. Er muss sehr vorsichtig die Wurzelkanäle finden und das entzündete Gewebe mit Spezialinstrumenten entfernen. Zwischendurch wird das Zahninnere mit einer Lösung gespült. Da Wurzelkanäle sehr viele Verzweigungen haben, sind mehrere Sitzungen nötig. Nach jeder Sitzung wird der Zahn mit einem Antibiotikum versorgt und provisorisch geschlossen.
Vielleicht haben Sie selbst schon einmal eine Wurzelbehandlung erlebt? Zumindest haben Sie schon einmal von Bekannten, Verwandten oder Freunden von so einem Vorfall gehört. Ich selbst bin bis jetzt von so einem Vorfall verschont geblieben. Nicht so mein Bruder, mein Sohn, meine Freundin … Man hört die tollsten Geschichten über dieses eine Thema. Da ist die Rede von teuren und aufwändigen Behandlungen die doch erfolglos geblieben sind. Von schlaflosen Nächten etc. Nicht selten wurde der Zahnarzt nach einem solchen Vorfall gewechselt.
Aber ist der Zahnarzt immer Schuld, wenn eine Wurzelbehandlung fehlgeschlagen ist? In manchen Fällen trifft das leider zu. Nur 40 bis 60 % aller Wurzelkanalbehandlungen in Deutschland verlaufen erfolgreich. Ganz zu schweigen von den Fällen, in denen der Zahn einfach gezogen wird. Spezialisten schätzen, dass sich diese Quote auf 80 bis 95 % steigern ließe. Wie Zahnärzte vorgehen sollten, beschreibt eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Sie empfiehlt z. B. die Verwendung eines Spanngummis, das den Zahn vom restlichen Mundraum abschirmt und verhindert, dass mit dem Speichel erneut Bakterien in die desinfizierte Wurzel gelangen. Die Verkaufszahlen verraten, dass dieses Hilfsmittel nur in einem kleinen Teil der Wurzelbehandlungen zum Einsatz gelangt. Auch andere empfohlene Schritte sind keineswegs Standard: Sauberes Freilegen der Wurzelkanäle - wenn nötig mit dem Operationsmikroskop -, exaktes Messen der Länge der Wurzelkanäle, sorgfältige Füllung und vieles mehr.
Experten auf dem Gebiet der Wurzelbehandlungen sind die Endodontolgen. Die Endodontologie beschäftigt sich mit der Lehre von Form, Funktion und Erkrankungen des Zahnmarks (auch Zahnnerv oder Pulpa) und ihrer Behandlung, der Wurzelbehandlung. Für den Aufwand, der in einer endodontischen Praxis betrieben wird, kommen die gesetzlichen Kassen leider nicht auf. Im Falle meines Sohnes war es so, dass die Zahnärztin vorgeschlagen hat, die Behandlung zu übernehmen. Diese Behandlung hat die Kasse gezahlt. Die Behandlung durch einen Spezialisten hätten wir selbst übernehmen müssen. Leider wird hier mal wieder am falschen Ende gespart. Durch den Verlust eines Zahnes entstehen wesentliche höhere Kosten (Implantate, Brücken). Die privaten Krankenkassen erstatten normalerweise die Kosten moderner endodontischer Maßnahmen. Eine Behandlung kostet ca. 300 bis 400 EURO oder sogar noch mehr.
Ist eine Wurzelbehandlung eigentlich schmerzhaft? Nein. Es wird mit einer Betäubung gearbeitet, die den Patienten schmerzfrei hält. Bei meinem Sohn war es so, dass er nach der ersten notfallmäßigen Behandlung mit Betäubung schmerzfrei war und auch blieb. Die zwei folgenden Behandlungen wurden ebenfalls mit Betäubung durchgeführt, so dass nur ganz geringe Schmerzen während der Behandlungen auftraten.
Wir hatten das Glück, dass die Wurzelbehandlung erfolgreich war. Inzwischen sind 2 Monate vergangen. Wäre die Behandlung nicht so erfolgreich gewesen, hätte ich keine Sekunde gezögert und den Spezialisten aufgesucht und selbst bezahlt.
Der behandelte Zahn ist nicht tot und haltlos. Er wird von den Bändern der umliegenden Knochen festgehalten. Man hat beim Essen ein Kaufgefühl wie vorher.
Sollten Sie vor der Entscheidung stehen, eine Wurzelbehandlung durchführen zu lassen oder einen Zahn zu verlieren, würde ich immer zu der Behandlung raten.
